Förderverein des NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln

Ansprache Beate Klarsfeld beim Empfang im Historischen Rathaus in Köln

Liebe Freunde, sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin,

Für uns, die heute hier die Organisation “Die Söhne und Töchter der deportierten Juden aus Frankreich” vertreten, ist dieser Besuch hier im Muschelsaal des  Historischen Rathauses  ganze besonders bedeutend ; 42 Jahre nach dem Urteilsspruch im Kölner Prozess  haben Sie  uns an diesen symbolischen Ort eingeladen, weil dieser Prozess von historischer Bedeutung war, nicht nur für die Waisenkinder der Shoah, nicht nur für die französischen Juden und nicht nur für Frankreich, aber auch für Deutschland. Dieser Prozess hat dem französisch-deutschen Rechtsstreit ein Ende bereitet, der aus dem zweiten Weltkrieg entstanden war. Die Bundesrepublik musste das Zusatzabkommen vom 2. Februar 1971 vom Bundestag ratifizieren lassen, wonach es dann möglich wurde, die Naziverbrecher, die in Frankreich in Abwesenheit verurteilt waren, die aber nicht nach Deutschland ausgeliefert werden konnten, obwohl alle in wichtigen Funktionen in der Bundesrepublik leben konnten, erst dann würden deutsche Gerichte für sie zuständig werden.

Eintrag Beate Klarsfelds ins Gästebuch der Stadt Köln (Foto: Maretsky)

Die deutsche politische Gesellschaft wollte dieser Vereinbarung nicht zustimmen, obwohl Bundeskanzler Willy Brandt das Zusatzabkommen unterzeichnet hatte. Während zwei Jahrzenten wehrten sich hier dagegen die Bundeskanzler Adenauer, Erhard und Kiesinger und im Bundestag waren CDU und FDP vereint, gegen die Ratifizierung zu stimmen.

Die französischen Gäste mit Vertretern des NS-Dok und des Vereins EL-DE-Haus (Foto: Maretzsky)

 

Das war der Anlass, dass mein Mann und ich, wir jetzt zum Kampf aufriefen, damit der Bundestag dieses Abkommen ratifiziert. Wir beide allein waren zu schwach, um in Deutschland zu agieren, also haben wir uns deswegen entschlossen, mit illegalen Aktionen zu handeln, die in der Öffentlichkeit Aufsehen erregten, und diese Aktionen führten wir unerlässlich fort.  Daraufhin versammelten sich um das Ehepaar Klarsfeld die Waisenkinder der Shoah. Es bedurfte 4 Jahre eines harten Kampfes mit der deutschen politischen Gesellschaft, 4 Jahre lang kämpften wir mit diesen illegalen Aktionen, wir wurden festgenommen, und wir wurden angeklagt und vor Gericht gestellt.

Die Ansprache von Beate Klarsfeld kann hier geladen werden.


Rede von Oberbürgermeisterin Henriette Reker anlässlich des Empfangs von Beate Klarsfeld im Historischen Rathaus, 24.10.2022

“Sehr geehrte Frau Klarsfeld,
sehr geehrte Gäste, bienvenue à Cologne,

ein sehr herzliches Willkommen in Köln. Ich sehe mich heute einer mutigen Frau gegenüber, einer beharrlichen Anwältin nationalsozialistischer Opfer und einer unerschrockenen Kämpferin für Gerechtigkeit! Ich habe Sie immer wieder als Autorität im Kampf gegen die widererstarkte Ultrarechte wahrgenommen, wie wir Sie in Deutschland, Frankreich und ganz Europa beobachten. Mir war, ist und bleibt diese Standhaftigkeit gegen den Rechtsextremismus in unserer Demokratie ein Herzensanliegen – denn von ihm geht eine Gefahr für unsere offene, vielfältige Gesellschaft aus. Das können wir nicht oft genug betonen!

Liebe Frau Klarsfeld, dass Ihre Elterngeneration das Unrecht im Nationalsozialismus erduldete, das hat Sie genauso beschäftigt wie mich. Auch meine Eltern haben geschwiegen zu all dem Unmenschlichen, das Deutsche ihren Mitmenschen antaten. Mir fiel es schwer, das zu akzeptieren. Und ich habe daraus für mich zu einer Haltung gefunden, die unverrückbar ist: Menschenwürde, Demokratie, Rechtstaatlichkeit.  Das sind für mich essentielle gesellschaftliche Werte, die viele Generationen hart errungen haben und die wir heute genauso hart verteidigen müssen. Das ist unsere Verantwortung und Pflicht.”

Die vollständige Rede von Oberbürgermeisterin Reker kann hier geladen werden.


Von der Veranstaltung mit Beate Klarsfeld wurde durch Hans-Dieter Hey eine Videoaufzeichnung gemacht, die man hier sehen kann. Fotos und ein Artikel zu der Veranstaltung von Berthold Bronisz und Hans-Dieter Hey  finden sich hier.


Gerechtigkeit – nicht Rache

Diskussionsveranstaltung mit Beate Klarsfeld

Zum 43. Jahrestag des Prozessbeginns gegen Kurt Lischka, Herbert-Martin Hagen und Ernst Heinrichsohn fand am Sonntag, dem 23. Oktober 2022 im NS-Dokumentationszentrum Köln ein Gespräch von Georg Restle, Leiter des Politmagazins Monitor, mit Beate Klarsfeld statt. Eingeladen dazu hatten als Veranstalter der Verein EL-DE-Haus in Kooperation mit dem NS-DOK und der Synagogen-Gemeinde Köln. Zur Eröffnung sprach Claudia Wörmann- Adam als Co-Vorsitzendes des EL-DE-Haus  Vereins. Für die Stadt Köln begrüßte Bürgermeister Andreas Wolter die zahlreich erschienen Zuhörerinnen und Zuhörer.

Claudia Wörmann-Adam begrüßt als Co-Vorsitzende des EL-DE-Haus Vereins die Anwesenden  (Foto: HB)

Das als „Lischka-Prozeß“ bekannte Verfahren ist als eines der grundlegenden und besten in die bundesdeutsche Rechtsgeschichte eingegangen. Kenntnisreich und angenehm moderierend führt Restle das Gespräch mit der immer noch unermüdlich gegen Nazis und für Gerechtigkeit streitenden Beate Klarsfeld. Sie wurde begleitet von zwei Zeitzeuginnen des Prozesses Madame Weisz und Madame Cain, die als Mitglieder der Vereinigung der Söhne und Töchter aus Frankreich deportierter Juden (F.F.D.J.F) damals ebenfalls am Prozess teilgenommen hatten.

Diskussionsschwerpunkte des Gespräches waren:

  1. Die berühmte Ohrfeige, die Beate Klarsfeld im April 1968 an Kurt-Georg Kiesinger ausgeteilt hatte.
    Im politisch sehr aufgeladenen Jahr 1968 hatte es Beate Klarsfeld geschafft, sich in den CDU-Parteitag hineinzuschmuggeln, um dort den damaligen Bundeskanzler Kurt-Georg Kiesinger öffentlich mit den Worten “Nazi, Nazi!” zu beschimpfen und zu ohrfeigen. “Das war natürlich eine symbolische Tat. Ein Symbol für die Haltung der jungen Generation gegenüber der Nazigeneration”, so Klarsfeld. Sie wurde noch am gleichen Tag zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr verurteilt. Da sie französische Staatbürgerin war, konnte die Strafe jedoch zunächst ausgesetzt und später zu vier Monaten auf Bewährung umgewandelt werden.
    Diese Tat machte sie weltberühmt, Heinrich Böll schickte 50 Rote Rosen. Der breiten Öffentlichkeit war die ehemalige NSDAP-Mitgliedschaft Kiesingers bis zu der Aktion mit der Ohrfeige nicht bekannt. Er hatte in Berlin seinerzeit Rassenpropaganda für die Nazis gemacht.

    Madame Weisz und Madame Cain                                (Foto: HB)
  2. Der Lischka-Prozeß
    „Die Klarsfelds und die Fils et Filles des Deportés Juifs de France (F.F.D.J.F.), eine Organisation französischer Überlebender und Angehöriger von Opfern des Holocaust, hatten bis zur Eröffnung des Strafverfahrens gegen Lischka, Hagen und Heinrichsohn immer wieder auf die Straflosigkeit von NS-Verbrechern, die ihre Verbrechen im besetzten Frankreich begangen hatten, aufmerksam gemacht. Nach dem Abbau politischer und juristischer Barrieren konnten diese Verfahren 1975 schließlich doch noch auf den Weg gebracht werden. Für ihr Ziel, eine breite Öffentlichkeit auf das Verfahren gegen Lischka, Hagen und Heinrichsohn aufmerksam zu machen, setzten sie auf eine Doppelstrategie aus reinen Protest- wie auch begleitenden Informationskampagnen. So demonstrierten sie unter anderem im fränkischen Bürgstadt vor der Anwaltskanzlei des Angeklagten Ernst Heinrichsohn. Im sauerländischen Warstein folgten weitere Kundgebungen gegen Herbert-Martin Hagen, bei denen einige Demonstranten, wie schon bei den Protesten in Köln und Bürgstadt, die Sträflingskleidung aus ihrer Zeit in den Konzentrations- und Vernichtungslagern trugen. Kurz vor Beginn des „Lischka-Prozesses“ eröffneten die F.F.D.J.F. im Kölner Rathaus eine historische Ausstellung über den Holocaust in Frankreich. Dadurch versuchten sie, die Kölner Bürgerinnen und Bürger für das Thema zu sensibilisieren. Die Präsentation erfuhr sowohl eine wohlwollende mediale Resonanz als auch großen Besucherzuspruch. Weiterhin wurde das Medieninteresse für den in Düsseldorf fast zeitgleich stattfindenden Majdanek-Prozess dafür genutzt, um auch auf das Verfahren gegen Lischka, Hagen und Heinrichsohn hinzuweisen, indem die Söhne und Töchter der deportierten Juden Frankreichs vor dem Gerichtsgebäude demonstrierten.“ (zitiert nach dem Bericht von Jens Tanzmann in Hagalil. https://www.hagalil.com/2022/04/klarfelds-lischka/#_edn10)
    Der Prozeß endete mit einem Urteil von 10 Jahren für Lischka, 12 Jahren für Hagen und 6 Jahren für Heinrichsohn.

    Beate Klarsfeld im Gespräch mit Georg Restle                             (Foto: HB)

     

  3. Der Prozeß gegen Klaus Barbie.
    Obwohl der Leiter der Gestapo von Lyon, Klaus Barbie, 1947 in Frankreich in Abwesenheit zum Tode verurteilt worden war, arbeitete er in den ersten Nachkriegsjahren für mehrere westliche Geheimdienste. 1951 wanderte er als Klaus Altmann mit seiner Familie nach Bolivien aus. Die Ermittlungen der deutschen Botschaft im Jahr 1966 ergaben jedoch nur, dass Altmann „Mitglied der SS im höheren Offiziersrang in Frankreich“ gewesen sei. Erst 1983 lieferte Bolivien Barbie durch nachhaltigen Einsatz der Klarsfelds und ihrer Freundinnen und Freunde nach Frankreich aus. Im folgenden Prozess war Léa Feldblum, die einzige Überlebende des Kinderheims Izieu, eine wichtige Zeugin der Anklage. Barbie wurde zu lebenslanger Haft verurteilt und starb 1991 im Gefängnis.

    Signieren zur Erinnerung (Foto: HB)
  4. Rostock-Lichtenhagen
    Mehr als 1.000 Kilometer aus Paris waren die Klarsfelds in die Hansestadt per Reisebus gefahren. An Bord knapp 50 Aktivisten ihrer Organisation “Söhne und Töchter der deportierten Juden Frankreichs”: “Als Söhne und Töchter der Juden, die von Nazis ermordet wurden, war es selbstverständlich, dass wir uns für die Menschen einsetzen, deren Eltern zur gleichen Zeit starben wie unsere”, betonte Serge Klarsfeld damals in Rostock. Gemeint waren Sinti und Roma, für deren Bleiberecht die jüdischen Aktivisten im Oktober 1992 in Rostock demonstrierten.
    Die damalige Bundesregierung hatte nur wenige Wochen zuvor ein sogenanntes Rückübernahmeabkommen mit Rumänen unterzeichnet, mit dem abgelehnte Asylbewerber, die meisten von ihnen Roma, schneller abgeschoben werden sollten. Die jüdischen Aktivisten wollen das nicht akzeptieren, sahen darin eine Deportation, und mahnen die deutsche Verantwortung an. Juden und Roma hätten “das gleiche Schicksal” gehabt, sagt Beate Klarsfeld: “Das war für uns ein Anlass, dass wir da einschreiten mussten.”

Resümierend wurde auch auf andere wichtige Prozesse hingewiesen, die für die Aufarbeitung der Naziverbrechen eine Rolle spielten. Der Eichmann-Prozess in Jerusalem (1961), der erste Auschwitz-Prozess in Frankfurt am Main (1963-65).  Diese stellten Zäsuren in der Wahrnehmung der Verbrechen dar und führten langsam zu einem Umdenken. Als ein Fazit wurde darauf verwiesen, wie wichtig es ist, die Jugend auf diese Zeiten der deutschen Geschichte hinzuweisen und sie zur Auseinandersetzung darüber und für eine demokratische Zukunft zu gewinnen.

Heinrich Bleicher


Gedenkveranstaltung anlässlich des Pogroms in Sivas am 2. Juli 1993

Am Samstag, dem 2. Juli 2022 fand auf dem Neumarkt in Köln von 16:00 – 18:00 Uhr eine Gedenkveranstaltung der Alevitischen Gemeinde NRW K.d.ö.R. und der Alevitischen Gemeinde Köln e.V. statt. An diesem Tag im Juli jährte sich das Massaker von Sivas zum 29. Mal. Ein islamistischer Mob von tausenden aufgebrachter Männer hatte damals die Teilnehmenden eines Kulturfestivals in Sivas, die sich in ihrem Hotel verschanzt hatten, mit Brandsätzen angegriffen und das Hotel in Brand gesteckt. Die Menschen im Hotel konnten nicht fliehen, da der Mob sie draußen gelyncht hätte. Einigen wenigen ist die Flucht in ein benachbartes Gebäude gelungen. Nach acht Stunden vergeblichem Warten auf Hilfe starben 33 Menschen, der jüngste 12 Jahre alt, qualvoll durch Ersticken oder Verbrennen. Auch zwei Hotelangestellte und zwei Angreifer kamen ums Leben.

Gedenken an die Ermordeten                                                      Foto: (c) Selahattin Sevi

Die Forderung der alevitischen Organisationen, aus dem Gebäude des ehemaligen Hotels ein Museum des Gedenkens (Gedenkstätte) zu machen, wird von der Erdogan-Regierung abgelehnt. Die am Jahrestag des Massakers in Sivas und Ankara alljährlich stattfindenden Gedenk- und Protestveranstaltungen der Opferangehörigen und der alevitischen Organisationen werden von Störungen, Behinderungen und Provokationen begleitet, immer in einer sehr angespannten Atmosphäre.

Ansprache Berivan Aymaz Foto: (c) Selahattin Sevi

Die Gedenkveranstaltung auf dem Neumarkt fand mit ca. 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmern statt. Sie wurde von dem Vorstandsmitglied des Vereins EL-DE-Haus Çiler Firtina moderiert, die einen Angehörigen bei dem Pogrom verloren hat. Einen Redebeitrag zur Veranstaltung hielt die Vizepräsidentin des NRW-Landtags, Berivan Aymaz. Als Sprecherin war ebenfalls die Co-Vorsitzende des Vereins EL-DE-Haus, Claudia Wörmann-Adam, eingeladen. In ihrer Ansprache nahm sie Bezug auf die massiven rassistischen Anschläge die elf Monate vor dem Pogrom in Sivas im August 1992 in Rostock-Lichtenhagen in Mecklenburg-Vorpommern stattgefunden hatten: „An den Ausschreitungen beteiligten sich mehrere hundert teilweise rechtsextreme Randalierer und bis zu 3000 applaudierende Zuschauer, die den Einsatz von Polizei und Feuerwehr behinderten. Das Ganze zog sich quälend lange vier Tage hin. Die Polizei war nie Herr der Lage. Politiker und Politikerinnen versagten auf ganzer Linie. Die Opfer der Angriffe erhielten keinen Schutz, keine Entschuldigung, keine Entschädigung; im Gegenteil: sie wurden in ihre Heimatländer abgeschoben und das Asylrecht wurde verschärft.“

Claudia Wörmann-Adam bei ihrer Ansprache  Foto: CF

Von dem Brandanschlag in Sivas gibt es ein Video, gedreht von der örtlichen Polizei die nicht eingriff, sondern zusah. Von den Anführern des Anschlags wurde kaum einer gefasst, die wenigen Täter, die vor Gericht gestellt wurden, zeigten keine Reue. Das Verbrechen wurde weder juristisch noch politisch jemals aufgearbeitet.

Wörmann-Adam stellte fest: „Es gibt Parallelen zwischen Sivas und Rostock Lichtenhagen. In Sivas wie in Rostock-Lichtenhagen kämpften von religiösen und/oder politischen Fanatikern aufgehetzte Menschen gegen die vermeintlich Fremden, gegen Toleranz und Humanität.”  Ihr Fazit: „Wir stehen heute hier, um mit der alevitischen Gemeinde ihrer Toten zu gedenken; wir stehen hier, um die Bestrafung der Täter zu fordern, die teilweise offen in Deutschland leben und von den deutschen Behörden nicht festgenommen werden; wir sind heute hier, um die alevitische Gemeinde bei ihrem Kampf um einen Gedenkort für das Massaker von Sivas zu unterstützen, der an dem Ort entstehen soll, wo das Verbrechen stattfand: im Madimak-Hotel.“

Die Rede von Claudia Wörmann-Adam kann hier  geladen werden.


Eine Sonderführung für Mitglieder des Vereins EL-DE-Haus zu der Veranstaltung

Klänge des Lebens ist auf sehr positives Interesse gestoßen.

Krystiane Vajda und Markus Reinhardt, die die Ausstellung in dem vor dem EL-DE-Haus platzierten  Wagen  gemeinsam kuratiert haben, erzählten vom Leben der Vorfahren und dem Schicksal, dass die aus Köln deportierten Sinti und Roma in der Nazizeit aber auch danach ereilt hat. In verschiedenen Gesprächsinterwievs, die beide aufgezeichnet hatten, berichteten Überlebende von ihrem Schicksal.

Krystiane und Markus informieren im “Zigeunerwagen”    Foto: HB

Für das kommende Jahr ist eine Reise mit dem Wagen von Auschwitz nach Köln geplant. Nicht als Anklage möchte Markus Reinhardt das mehr als tausend Kilometer lange Tourprojekt verstanden wissen, sondern als Angebot zur Versöhnung. Für dieses bereits geplante Objekt sind noch Spenden erwünscht. Sie können auf das Konto des Vereins

Spendenkonto:
Raiffeisenbank Frechen-Hürth
IBAN: DE91370623654421635019
BIC: NODED1FHH

eingezahlt werden.

Der Wagen mit der Ausstellung vor dem EL-DE-Haus. Foto: HB

 

 

Weitere Informationen zu dem Projekt des Marodom e.V. gibt es hier. Auf der Homepage finden sich auch unter dem link “Zigeunerwagen- TV” weitere Zeugenberichte.

 


Sonntag, 19. Juni 2022 um 17:00 Uhr

Exkursion: Marienprozession mit Lesung und Musik

Startpunkt der Prozession ist St. Maria in der Kupfergasse mit einer Andacht von Pfarrer Jan Opiela (katholische Seelsorge für Rom*nja, Sinte*zze und verwandte Gruppen). Anschließend führt die Prozession zum Hof des EL-DE-Hauses, wo junge Sinte*zze aus Briefen von Deportierten lesen. Der Abschluss wird beim Oberlichtwagen vor dem EL-DE-Haus mit musikalischer Begleitung von Markus Reinhardt und Janko Wiegand stattfinden.

Ein Begleitprogramm zur Sonderausstellung „Klänge des Lebens Geschichten von Sinti*zze und Rom*nja“

Für: Erwachsene | Von: NS-Dokumentationszentrum | Treffpunkt: St. Maria in der Kupfergasse | Teilnahme: kostenlos


Sonntag 19. Juni 22 ab 14:30 Uhr

Edelweißpiratenfestival im Friedenspark!
Nach zwei Jahren Pandemie-Pause freuen wir uns sehr, mit Euch wieder die Antihitlerjugend im Friedenspark feiern zu können! Es wird fünf Bühnen bzw. Parkwinkel geben, wo tolle, sehr unterschiedliche Bands den Edelweißpiraten und verwandten Jugendgruppen ihren Tribut zollen werden. Dabei wird jede Band ein Edelweißpiratenlied interpretieren. Das großartig Line Up 2022 seht ihr auf unserem druckfrischen Plakat.
Neben der unangepassten Musik gibt es wieder ein Generationen-Café zum Informationsaustausch und die historische Wanderausstellung des NS-Doku-mentationszentrum »Von Navajos und Edelweißpiraten – Unangepasstes Jugendverhalten in Köln 1933 – 1945« in den Baui-Saal. Im Vorhof und im Rosengarten gibt es zudem Info- und Gastro-Stände, deren Erlös das Festival finanzieren hilft!

Ort: Oberländer Wall – Titusstraße (Südstadt)

Mehr Infos unter: www.edelweisspiratenfestival.de

Ein Bericht zu der Veranstaltung findet sich unter der Rubrik Medienecho.


Donnerstag, 16. Juni 2022 um 17:00 Uhr

Gespräch: Requiem für Auschwitz // Schattenkinder

 

Roger Moreno-Rathgeb (*1956 in Zürich) wusste bis zu seinem 15. Lebensjahr nichts von seiner Identität als Sinto. Nach einem ihn tief bewegenden Besuch in Auschwitz-Birkenau machte er es sich zur Lebensaufgabe, allen Ermordeten zu gedenken und ihnen ein Requiem zu widmen. Das „Requiem für Auschwitz“ wurde 2009 fertiggestellt und wird seitdem von den „Roma und Sinti Philharmonikern“ europaweit aufgeführt.
Bluma (Maria) Meinhardt (*1961 in Wuppertal) begann im Alter von zwölf Jahren, die traumatischen Verfolgungsgeschichten ihrer Familie aufzuschreiben. Inzwischen hat sie mehrere Gedicht- und Prosabände veröffentlicht.
Roger Moreno und Bluma Meinhardt werden ihre Werke im Gespräch mit Krystiane Vajda vorstellen.

Da die Platzanzahl begrenzt ist, empfehlen wir Ihnen eine Anmeldung unter nsdok@stadt-koeln.de

Ein Begleitprogramm zur Sonderausstellung „Klänge des Lebens. Geschichten von Sinti*zze und Rom*nja“

Für: Erwachsene | Von: NS-Dokumentationszentrum | Preis: € 4,50 | ermäßigt: € 2,00


So. 12. Jun. 2022, 17:00 Uhr

Menni Schwarz im Gespräch mit Krystiane Vajda

Markus Reinhardt, Menni Schwarz und Krystiane Vajda

 

„Wir haben alle vergeben, aber wir vergessen nicht, was passiert ist. Aber wir haben alle vergeben.“ Christel „Menni“ Schwarz

Christel „Menni“ Schwarz (*1948), Überlebender und Aktivist, wird über sein Engagement für die Erinnerung an die Verbrechen an Sinti*zze und Rom*nja mit Krystiane Vajda sprechen. Seine eigene Familie wurde in verschiedene Konzentrations- und Vernichtungslager verschleppt – viele haben nicht überlebt. Schwarz war Initiator des ersten Sinti-Mahnmals in Deutschland, welches 1989 in Gedenken an die 74 deportierten und anschließend ermordeten Sinti*zze der Stadt Oldenburg errichtet wurde.

Mit einer Präsentation des Films „Auf Spurensuche der Sinti und Roma“ und Musik von Janko Wiegand und Markus Reinhardt.

Da die Platzanzahl begrenzt ist, empfehlen wir Ihnen eine Anmeldung unter nsdok@stadt-koeln.de

Ein Begleitprogramm zur Sonderausstellung „Klänge des Lebens. Geschichten von Sinti*zze und Rom*nja“

Für: Erwachsene | Von: NS-Dokumentationszentrum | Preis: € 4,50 | ermäßigt: € 2,00


Klänge des Lebens. Geschichten von Sinte*zze und Rom*nja. Eine Ge-Denk-Station

9. Juni bis 26. Juni 2022

Eine Ausstellung des Maro Drom – Kölner Sinte und Freunde e.V. in Kooperation mit dem NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln

Die open-Air Ausstellung vor dem Eingang des NS-Dokumentationszentrums lässt Menschen zu Wort kommen, die als Sinte*Sintezza, als Rom*Romnja im Nationalsozialismus verfolgt wurden und den Völkermord überlebt haben. Angehörige der zweiten Generation berichten, welche Spuren dieses Menschheitsverbrechen bei ihnen selbst und innerhalb ihrer Familie hinterlassen hat. Die Präsentation ist in einem Oberlichtwagen (Baujahr 1958) installiert, der für die Sinte*zze des Maro Drom – Kölner Sinte und Freunde e.V. ein Sinnbild für eine verschwundene Welt, eine Erinnerung an ihre Vorfahren sowie ein Ort der Selbstverständigung und der Begegnung ist.

Sonderführung für Vereinsmitglieder „Klänge des Lebens“

Liebe Mitglieder,
wir bieten eine exklusive Führung nur für unsere Mitglieder des Vereins EL-DE-Haus in der aktuellen Ausstellung „Klänge des Lebens“ an:
Donnerstag, 23. Juni um 19 Uhr.
Krystiane Vajda hat die Ausstellung kuratiert und wird durch den Wagen führen.

Wir bitten um schriftliche Anmeldung an die E-Mail-Adresse: EL-DE-Haus@web.de.

Weitere Informationen können hier geladen werden.

Zur Realsierung der Ausstellung hat der Verein EL-DE-Haus mit Spenden beigetragen.

Berichte zur Eröffnungsveranstaltung finden sich im Kölner Stadtanzeiger und in der Kölnischen Rundschau vom 10.6.2022.


Am kommenden Dienstag, dem 24. Mai, wird im NS-Dok  die neue Sonderausstellung “Theo Beckers. Ein junger Nationalsozialist fotografiert Köln” eröffnet:

Mit der Kamera in der Hand zieht der junge Theo Beckers in den 1930er Jahren durch Köln: Er fotografiert Familienfeiern, Ausflüge, HJ-Fahrten, die Haustiere, sein Zimmer, Karnevalsumzüge, Kirchenfeste, politische Aufmärsche, Freund*innen und Bekannte. Allein in den ersten Jahren der nationalsozialistischen Herrschaft macht er mehrere tausend Aufnahmen, die Einblick in die Bildwelt eines jungen Amateurfotografen und lokalen HJ-Funktionärs geben.

Die Ausstellung lädt zum Hinschauen, Entdecken und Nachdenken ein: Wie sah Theo Beckers seinen Alltag und die Stadt, in der er lebte? Zu welchem Bild von ihm und seinem Leben setzen sich die Aufnahmen zusammen? Prägte sein Engagement für den Nationalsozialismus auch seine Fotografien? Wie passen sie zu den Vorstellungen, die wir uns vom Leben in der NS-Diktatur machen?


Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar 2022

Die Kölner Gesundheitspolitik im Nationalsozialismus

Ein schöner Kirchenraum, offen und licht mit guter Akustik, ein angenehmer Ort, um inne zu halten und zuzuhören. – Die Kunststation St. Peter war dieses Jahr Ort der Gedenkstunde am Jahrestag der Befreiung von Auschwitz, da die Antoniterkirche renoviert wird. – Alle Plätze sind besetzt, einige müssen sogar zurückgewiesen werden. Begrüßt werden die Anwesenden von Pater Stephan Kessler und Oberbürgermeisterin Henriette Reker spricht das Grußwort.

Die Vorbereitungsgruppe (Ulrike Bach, Irene Franken, Beate Gröschel, Klaus Stein, Lisa Willnecker) hat auf eine bewährte Struktur gesetzt: Es wechseln sich von Schauspieler*innen (Maria Amman, Petra Kalkutschke, Markus Andreas Klauk) gesprochene Textpassagen mit Musik und Gesang ab, eine Leinwand zeigt Fotos und Bilder zu den Texten und den Personen, um die es geht. In den Texten geht es um das Kölner Gesundheitsamt, die Situation der Zwangsarbeiter*innen, die jüdische Kinderärztin Erna Rüppel und die Aufarbeitung nach 1945.

Der anschließende Mahngang führt zum Gesundheitsamt, wo Dr. Fritz Bilz im lärmenden Verkehr den Text von Thomas Deres vorträgt, der coronabedingt nicht teilnehmen kann. Wie war das mit dem Kölner Gesundheitsamt? Schon 1905 wurde in Köln die Stelle eines Ärztlichen Beigeordneten und damit eines Gesundheitsamtes eingerichtet. Die Stelle wurde mit Dr. Peter Krautwig besetzt, unter dessen Leitung das Amt in der Weimarer Republik als beste kommunale Einrichtung in Europa ausgezeichnet wurde! – Aber nach seinem Tod 1926 wurde Dr. Carl Coerper sein Nachfolger, ein Vertreter der Eugenik, d.h. er verfolgte die Ziele, günstig bewertete Erbanlagen zu vermehren und ungünstig bewertete zu vermeiden, so wurde umgehend eine eugenische Eheberatungsstelle eingerichtet, denn nach ihm hatte die kommunale Gesundheitsfürsorge namentlich auch qualitative Bevölkerungspolitik zu treiben und die Erkenntnisse und Erfahrungen der Rassenhygiene und Eugenik auszunutzen. Er ist dann auch einer von zwei Dezernenten, die 1933 nicht entlassen werden, tritt am 1. Mai 1933 in die NSDAP ein, übernimmt hohe Parteifunktionen in Sachen Gesundheit im Gau Köln-Aachen und setzt als Hardliner die Gesetze des NS-Staates bezüglich Erb- und Rassenpflege rigoros um: Wer nicht der NS-Ideologie folgt, verliert seine Stellung als Arzt, Frauen verlieren leitende Positionen, jüdische Ärzte*innen dürfen nicht mehr praktizieren, jüdische Kranke nur noch im Israelitischen Asyl behandelt werden, Sinti*zze und Rom*nja werden nicht mehr behandelt. 3.800 Zwangssterilisierungen an Kölner*innen sind im Stadtarchiv dokumentiert. Dem euphemistisch «Gnadentod» genannten Mord durch Gas, Medikamente oder Hungerfallen nach 1939 in Deutschland 300.000 Menschen zum Opfer.

Ab 1942 werden da auch alte Menschen diskriminiert und Carl Coerpers verfügt in einem Rundschreiben an alle Krankenhäuser: Der dringende Bedarf an Krankenhausbetten schließt im totalen Krieg deren Verwendung im Sinne der Siechen- oder Altersheime aus. Er lässt auch die Aufnahme hoffnungslos Kranker für ihren letzten Lebenstag im Allgemeinen nicht zu. 1945 wird Coerper zunächst aus allen Ämtern in der Stadt und als Lehrbeauftragter an der Universität Köln entlassen, aber schon 1952 unterrichtet er wieder als Dozent das Fach «Sozialhygiene», ist an diversen Klinikgründungen beteiligt und arbeitet weiterhin eng mit Wissenschaftlern der NS-Rasseforschung zusammen.