Förderverein des NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln

 

Informationsstand des Vereins EL-DE-Haus beim 1. Mai


Führung durch die Baustelle der MiQua

Mitglieder des Vereins EL-DE-Haus haben die Baustelle MiQua, das zukünftige Museum zu Kölns römischer Vergangenheit und jüdischem Leben, besucht. Geführt wurde die Gruppe in vorgeschriebener Schutzkleidung durch Franziska Bartz, örtliche Grabungsleiterin der Archäologischen Zone der Stadt Köln (Röm.-Germ. Museum) und Bauleiter Matthias Zoppelt, vom Büro ZAC.

Die Gebäudewirtschaft meldet gute Fortschritte beim Bau, für den sie zuständig ist.

Unterirdisch sollen bis Mitte 2026 die Grabungen zur Parcours-Erstellung in der Untergeschossebene abgeschlossen werden. Die Glas-Metall-Fassadenfirma, die im Sommer 2025 Insolvenzantrag stellen musste, konnte ihre Arbeiten zunächst fortsetzen. Nun muss aber doch für die Restarbeiten eine neue Firma ausgeschrieben werden. Es stehen jedoch außerdem noch Arbeiten an Dach und Fassade sowie bei der Innenverglasung aus. Das Generalunternehmen für den Innenausbau und die technischen Gewerke wird im Mai anfangen.

Im Museumspädagogischen Zentrum fand Ende Dezember 2025 erfolgreich die letzte TÜV-Abnahme statt, um die bisherigen Elektroarbeiten zu begutachten. Die restlichen Elektroarbeiten sollen bis zum Frühjahr 2026 erfolgen. Dann werden die Lüftungs- und Trockenbauarbeiten wieder aufgenommen und finalisiert. Daran schließen sich alle technischen Abnahmen und der Inbetriebnahme-Prozess an. Dies wird bis Mitte 2026 andauern. Im Praetorium wird seit Ende des Jahres 2025 gearbeitet. Die Fertigstellung ist für Ende 2026 eingeplant.

Bei der Erstellung des Rundgangs wurden viele neue Entdeckungen in Bereichen gemacht, die so noch nie archäologisch untersucht werden konnten. Da so viel wie möglich für kommende Generationen erhalten und im späteren Rundgang gezeigt werden soll, wurde die Route für den Ausstellungsparcours mehrmals umgeplant.
Zur Sicherung der zahlreichen römischen sowie mittelalterlichen christlichen und jüdischen Relikte entstehen Unterfangungen und Stützwände. Für diese graben sich Tiefbau und Archäologie Stück für Stück metertief unter die historischen Mauern, um ausreichend starke Fundamente zu schaffen.

Das haben uns Frau Bartz und Herr Zoppelt sehr anschaulich und verständlich erklärt und so erhielten wir einen tiefen Einblick in die Hintergründe und gewannen großes Verständnis für die Verzögerungen aus ganz verschiedenen Gründen.

Wenn die Arbeiten reibungslos und ohne Hindernisse weiter verlaufen, könnte Ende 2028 das Gebäude an den LVR übergeben werden. Aber das ist meine persönliche Meinung: Damit sollte man nicht unbedingt rechnen.
Mehr Informationen und auch meine Quelle zum Haupttext findet ihr hier:

https://www.stadt-koeln.de/artikel/73425/index.html

Dieter Maretzky (Text und Fotos)


Mitglieder des Vereins EL-DE-Haus bringen Stolpersteine zum Glänzen

  1. Stolpersteinputzaktion in der Altstadt-Süd

Samstag, 12. April (11 Uhr) Treffen auf der Severinstraße. Es ist trocken und sonnig im kalten Wind. Lena und Ekki haben das Putzzeug dabei, Iris, Walla, Helga und Ciler werden sich mit ihnen abwechseln. Wir lesen an den Steinen die Informationen, die Ekki zu den Menschen, an die die Steine erinnern, gesammelt hat. Wir melden über die WDR-App, dass wir geputzt haben und fotografieren die glänzenden Stolpersteine.

Unsere Tour umfasst ca. 2,5 km Wegstrecke und wir besuchen 44 Stolpersteine. Diesmal haben wir einen großen Querschnitt an Steinen für verschiedene Opfergruppen (Juden, Roma, Homosexuelle, Kommunisten, Politiker) zu reinigen. Manche davon sind in einem schlechten Zustand und es ist herausfordernd, sie zu reinigen.

An einer Stelle gibt es sage und schreibe 22 Stolpersteine. Sie liegen vor einem Haus, das zur Zeit des Nationalsozialismus als sog. „Judenhaus “ genutzt wurde. Dort wurden jüdische Bürger vor ihrer Deportation zwangsweise konzentriert. – Stolpersteine werden grundsätzlich an der letzten freiwillig gewählten Wohnadresse verlegt – wenn man sie denn kennt, das scheint für die Menschen hinter diesen Stolpersteinen nicht der Fall gewesen zu sein. Die jüngste Deportierte war ein Mädchen namens Cilli-Rosa Sylberstein (Jahrgang 1933). Hat sie in ihrem kurzen Leben in der NS-Zeit überhaupt etwas Schönes erlebt?

Es gibt auch eine spannende Begegnung. Eine alte Dame kommt auf uns zu und lobt, was wir da machen. Sie ist 96 Jahre alt, wie sie erzählt, also fast 97, was man ihr aber weder an Haltung noch am Reden anmerkt. Sie stammt aus dem Ruhgebiet, lebt seit 1954 in Köln um die Ecke in der Ulrichgasse und erzählt uns von ihrem Leben im und nach dem Krieg. Es ist eine sehr bereichernde Unterhaltung für uns alle.

Als wir die Stolpersteine für zwei Romni („Romni“ ist die weibliche Bezeichnung für eine Frau aus der Volksgruppe der Roma. Sie sind Teil der größten ethnischen Minderheit in Europa) zum Glänzen bringen, kommt eine junge Frau aus dem Haus. Sie grüßt freundlich – aber abweisend zurück – und verschwindet schnell. Sie möchte nichts wissen.

Später harrt der dunkle Stolperstein für Benedikt Schmittmann unserer Reinigung. Aus dem Schmittmann-Kolleg direkt dahinter kommt ein junger Mann und meint, dass der Stein an Gedenktagen von den Studenten geputzt würde. Er nimmt unsere Anregung, ihn sozusagen als Paten regelmäßiger zu pflegen, gerne mit in die studentische Gemeinschaft, die hier lebt.

Wir wandern weiter ins Martinsviertel, putzen den Stein von Edith Stein und finden einen Stolperstein, den es laut WDR-App dort gibt, nicht. Er ist nicht da, wo er laut App sein sollte. Aber er ist am Ort, wie ein paar Tage später klar wird.

Auch heute war es eine erfolgreiche Putzaktion und wir sind sehr zufrieden mit dem Erreichten. Und wir sind immer wieder erstaunt, dass so wenig Menschen auf die Stolpersteine achten. Es wäre so schön, wenn mehr Menschen sie zum Glänzen bringen würden!
Hintergrund

Zwischen 1938 bis 1945 wurden auch in Köln Menschen durch das NS-Regime deportiert. Von den rund 16.000 Kölner und Kölnerinnen, die sich 1933 zum jüdischen Glauben bekannten, konnten die amerikanischen Truppen am 06. März 1945 nur noch 30-40 jüdische Menschen in Köln befreit werden. Und es gab eine Vielzahl anderer Opfer in dieser Zeit. Bisher liegen in Köln 3.049 Stolpersteine.

Die bisher 120.000 Stolpersteine in 1.800 Kommunen und 31 Ländern Europas sind ein wesentlicher Beitrag zur dezentralen Erinnerungskultur. Haltet eure Augen offen, wenn ihr Stolpersteine seht und nehmt euch einen Augenblick Zeit, der jeweiligen Opfer zu gedenken!

Unsere monatlichen Putz- und Gedenkaktionen in Köln gehen weiter. Weitere Informationen finden sich unter: https://stolpersteine.wdr.de/web/de/karte und natürlich in der Datenbank „Stolpersteine in Köln“ des EL-DE-Haus / NS-DOK Köln www.nsdok.de.

Bericht: Ekki Hoffmann

 


Jahresbericht der Projektgruppe Messelager im
Verein EL-DE-Haus für 2025

„Die Projektgruppe Messelager ist die älteste und wohl auch bekannteste Arbeitsgruppe des Vereins EL-DE-Haus. Ihre Ursprünge reichen bis in die Vereinsvorgeschichte zurück. Mehrere zunächst unabhängig voneinander arbeitende Aktivisten stießen in den 1980er-Jahren auf das Thema der NS-Zwangsarbeit. (….) Auch andere Mitglieder aus der „Initiative für ein Dokumentationszentrum im EL-DE-Haus“ begannen, sich mit der Zwangsarbeit in Köln zu befassen – ein Thema, das ihrer Meinung nach einen besonderen Platz in der geforderten Dauerausstellung im ehemaligen Gestapogebäude einnehmen sollte. Sie bildeten im Sommer 1983 mit anderen Interessierten die ‚Initiative Zwangsarbeit in Köln 1939 – 1945‘, um Material zusammenzutragen.“ (…) Vor dem Hintergrund, dass es weder Forschung dazu (zum Messelager) gab noch Archivalien vorhanden waren, schlossen sich im Frühjahr 1988 Mitglieder der Initiative Zwangsarbeit (Christian Welke), des gerade gegründeten Vereins EL-DE-Haus (Peter Liebermann), der Volkshochschule (Reiner Hammelrath) und des alternativen KölnArchivs (Martin Stankowski) als ‚Projektgruppe Messelager‘ zusammen. (…) Schließlich reisten auf Einladung der Projektgruppe und mit finanzieller Unterstützung der Stadt Köln vom 16. bis zum 24. Mai 1989 neunzehn ehemalige KZ-Häftlinge bzw. Zwangsarbeiter aus Polen, der Sowjetunion, Frankreich und Belgien sowie drei ehemalige Gefangene des Gestapolagers in der Messe aus Deutschland an.“

Das war der Beginn des über Jahre fortgeführten Besuchsprogramms für ehemalige Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen, auf das sich der nachstehende Bericht bezieht.

(Quelle: Empathie & Engagement. Drei Jahrzehnte Kölner Zeitgeschichte: Verein EL-DE-Haus. Förderverein des NS-Dokumentationszentrums der Stadt Köln, hrsg. von Hajo Leib 2017; aus dem Beitrag von Karola Fings: Von der Konfrontation zu Aufklärung und Entschädigung: Die Projektgruppe Messelager und die Aufarbeitung der NS-Zwangsarbeit.)

Unsere Projektgruppe arbeitet weiterhin an den Dingen, die sich aus 25 Jahren (1989 – 2014) Besuchsprogramm ehemaliger NS-Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter ergeben. Kurz gesagt: wir pflegen die Kontakte zu ehemaligen Gästen und deren Angehörigen, stellen Informationen über Zwangsarbeit in Köln bereit und leisten Erinnerungsarbeit.

Christian Welke, Mitgründer und langjähriger Mitarbeiter unserer Projektgruppe, starb im Januar 2025. Viele ehemalige Mitglieder unserer Gruppe haben ihre Wertschätzung für Christians Arbeit und für seine Person in einer Traueranzeige und durch ihre Anwesenheit bei der Beerdigung auf Melaten deutlich gemacht.

Mit unserem Wissen aus den Interviews mit unseren Gästen im Besuchsprogramm konnten wir die Arbeit der Initiative zum Erhalt des Bodendenkmals im Gremberger Wäldchen unterstützen. Zum 80sten Jahrestag der Zerstörung des Krankenlagers dort, bei der viele erkrankte Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen im April 1945 ermordet wurden, konnten wir mit unseren Zeitzeugen-Interviews dazu beitragen, ein realistisches Hintergrundwissen für die Veranstaltungen zu liefern, die zwischen dem 8. und dem 12. April vor Ort und im NS-DOK stattfanden.

Bei der Podiumsdiskussion zum Gremberger Wäldchen im NS-DOK am 10. April wurden wir auf ein Ereignis aufmerksam, das uns bis dahin nicht bekannt war. Das Gedicht ‚Kölner Grube‘ von Boris Slutsky, das offenbar in Ländern des ehemaligen ‚Ostblocks‘ vielen Menschen bekannt ist, wurde von dem Besucher der Veranstaltung, Dr. Jakob Mezheritsky, angesprochen. Es gibt einen Bezug zu Köln und zur Lage von NS-Zwangsarbeitern. Uns war das Gedicht nicht bekannt und wir konnten keinen klaren Bezug zu einem bestimmten Ort herstellen. Spontan fielen uns ‚Rheinbraun‘ und die Morde in der Kiesgrube in Ossendorf ein. Bisher konnten wir aber noch nichts wirklich klären. – Wir bleiben dran.

In Kooperation mit dem Leverkusener Projekt ‚Zukunft braucht Erinnerung‘, das u.a. getragen wird von der Finkelsteinstiftung, der VHS und der Caritas Leverkusen sowie der Bayer A.G., hat die Projektgruppe eine Führung auf dem Kölner Messegelände angeboten. Die gut besuchte Führung fand am 10. Mai 2025 statt. Die Besucher und Besucherinnen waren überrascht, dass mitten in Köln so viele Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen und Kriegsgefangene inhaftiert waren. Dass der heutige Tanzbrunnen ein KZ-ähnliches ‚Arbeitserziehungslager‘ war und dass in und vor dem Messegebäude an der Rheinfront ein Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald war, für Kölnerinnen und Kölner deutlich sichtbar, war für fast alle Besucher und Besucherinnen neu und fast unglaublich. Diese Erfahrung spricht dafür, mehr an Erinnerungsarbeit zum Ort der Messe zu machen. Diesbezüglich sind wir auch im Gespräch mit der Leitung des NS-Dok.

Gerard van der Lee, einer unserer Gäste ist verstorben, wie wir 2025 erfahren haben. Er war als 17jähriger in der Rotterdamer Razzia zur Zwangsarbeit gezwungen worden, hatte sich im Frühjahr ’45 in der Südstadt im Keller der Stollwerck Gebäude versteckt. Er hatte sein Leben nur mit Hilfe Kölner Bürger aus der Südstadt retten können und er hatte deshalb 2016 aus Dankbarkeit am Bürgerhaus Stollwerck mit unserer Unterstützung eine Plakette anbringen lassen. Das war ihm wichtig. Wir trauern um ihn. Bei der Abschlussveranstaltung zum Besuchsprogramm 2014 und bei der Planung seiner Plakette war er sehr aktiv beteiligt. Seine ganze Familie war mit ihm angereist, um die Plakette der Öffentlichkeit in Köln zu präsentieren. Die Plakette befindet sich an der Westseite des Bürgerhauses Stollwerck neben dem Eingang.

Nach wie vor betreuen wir die Familie von Halyna Slieptsova. Sie wurde 1945 als Kind einer Zwangsarbeiterin in Köln geboren, war 2013 Gast in unserem Besuchsprogramm und hat 2022 in der Ost-Ukraine Hab und Gut verloren, konnte aber ihre Familie retten. Unser Angebot zur Hilfe hat sie damals mit der Bitte an unsere Oberbürgermeisterin beantwortet, ihre Familie in der Stadt ihrer Geburt aufzunehmen. Das haben wir unterstützt und die OB hat der Familie tatsächlich eine Wohnung zur Verfügung gestellt. Das hat uns sehr gefreut! Und auch Frau Slieptsovas Familie, sieben Personen sind glücklich, dass sie in Köln aufgenommen wurden. Wir betreuen die Familie im Umgang mit unseren Behörden, mit unserem Bildungssystem, mit unserer Justiz und mit unserem Gesundheitssystem. Das ist auch für uns oft aufschlussreich.

Kartendenkmal zur NS-Zwangsarbeit:

 Im Zusammenhang mit dem Zwischennutzungsmietvertrag von Zwischendrin e.V. Köln für die ehemaligen Verwaltungsgebäude von KHD an der Deutz-Mülheimer Straße bekommt das Karten-Denk-Mal zur NS-Zwangsarbeit ab 2026 Raum für eine Ausstellung. 

Entstanden und weiterentwickelt wurde dieses Karten-Denk-Mal zur NS-Zwangsarbeit mit Schülerinnen und Schülern der Willy-Brandt-Gesamtschule (WBG) im Rahmen friedenspädagogischer Schulprojekte sowie im Rahmen des Besuchsprogramms der Stadt Köln für ehemalige Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge.

Die Ausstellungsräume im ehemaligen Verwaltungsgebäude von KHD auf der Deutz Mülheimer Straße sind Teil des Gebäudes, für das sich verschiedene in Köln-Mülheim aktive Initiativen zum Verein Zwischendrin e.V. zusammengeschlossen haben. Sie setzen sich für den Erhalt des Otto-Langen-Quartiers und die Zwischennutzung des denkmalgeschützten Gebäudes ein und haben inzwischen mit der Stadt Köln einen Mietvertrag über 10 Jahre abgeschlossen.

Um im Rahmen unserer Friedenspädagogik zu weiteren Projekten zum Thema ‚Kriegsbeute Arbeitskraft‘ anzuregen, hat Wiltrud Marciniak 2024 Kontakt zum Verein Zwischendrin e. V. hergestellt und sich bereit erklärt, zunächst den Mietanteil für den Raum, der für das Ausstellen dieses Karten-Denk-Mals, also der 8 Ausstellungstafeln und der Litfaßsäule, nötig ist, persönlich zu übernehmen. Wiltrud Marciniak ist langjährige Mitarbeiterin der Projektgruppe Messelager im Förderverein des NS-DOK, war 25 Jahre lang Lehrerin an der WBG und ist auch als Lehrerin im Unruhestand / „Pensionista“ im Kontakt mit der WBG geblieben.

In den Ausstellungsräumen für das Karten-Denk-Mal im ehemaligen Verwaltungsgebäude von KHD an der Deutz Mülheimer Straße gibt es demnächst das Angebot zu Führungen an einem Ort, an dem zwischen 1939 und 1945 sehr viele Menschen zur Arbeit für die NS-Kriegswirtschaft gezwungen wurden. Die Bilder, Karten und Texte der bisherigen Ausstellung basieren auf Erfahrungen von Schülern und Schülerinnen der WBG, die Zeitzeugen, Gäste des Besuchsprogramms der Stadt Köln für ehemalige Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge bei persönlichen Treffen kennen gelernt haben.

Soweit die Bilanz unserer Arbeit im Jahr 2025.

Hans-Georg Wehner (für die Projektgruppe Messelager)
3. Februar 2026

Boris Slutsky

Kölner Grube

Wir waren siebzigtausend Gefangene
in einer großen Schlucht mit steilen Kanten.
Wir liegen
still und kühn, wir
sterben vor Hunger
in der Kölner Grube.

Oberhalb des Randes der Schlucht wird der Platz zertrampelt –
er fällt schief bis an den äußersten Rand ab.
Einmal am Tag
wird ein Pferd auf
den Platz gebracht,
ein lebendes
Pferd von der Klippe gestoßen.

Während es in die Grube fällt, während
wir es in ungleiche Anteile teilen, während
wir das Pferdefleisch mit unseren Zähnen zermahlen,-
O Kölner Bürger,
laßt es euch zu schämen!
O Kölner, wie kommt das?
Du, nüchtern, ehrlich, wo warst du, als
wir, grüner als ein Kupfernickel,
in der Kölner Grube
vor Hunger heulten?
Wir sammelten unsere letzten Kräfte und
kratzten die Inschrift an der steilen Wand aus, eine
kurze Inschrift über unserem Grab –

Brief an einen Soldaten des Sowjetlandes.

„Genosse Kämpfer, halt über uns, über
uns, über uns, über die weißen Knochen.
Wir waren siebzigtausend Gefangene, wir
fielen in der Kölner Grube für unsere Heimat!“

Als sie uns als Schurken rekrutieren wollten, als
sie uns über Brot aus der Schlucht schrien, als
Grammophone über Frauen sangen,
flüsterten die Parteimitglieder: „Kein Schritt, kein Schritt… “

Lies die Inschrift über unserem Grab!
Mögen wir des posthumen Ruhmes würdig sein!
Und wenn es jemand nicht mehr aushält,
erlaubt das Parteikomitee den Schwachen den Selbstmord.

O ihr, die ihr unsere lebendigen Seelen seid,
die ihr für Suppe und Haferbrei kaufen wolltet, seht,
wie unsere Kameraden ihr Leben beenden,
indem sie das Fleisch aus eurer Handfläche nehmen!

Wir graben den Boden,
wir kratzen mit den Nägeln, wir
stöhnen mit einem Stöhnen
in der Kölner Grube, aber
alles bleibt – wie es war, wie es war! –
Haferbrei ist mit dir, und Seelen sind mit uns.