Zu Beginn der Mitgliederversammlung am 6. Oktober begrüßte die CO-Vorsitzende des Verein EL-DE-Haus, Claudia Wörmann, die anwesenden Mitglieder und Gäste mit folgenden Worten:
Herzlich willkommen zu unserer Mitgliederversammlung.
Heute ist ein schwarzer Tag:
In Sachsen-Anhalt wurde mit 48 Stimmen ein AfD-Mitglied zum Landtagspräsidenten gewählt. Wenn man davon ausgehen kann, dass die AfD mit ihren 39 Stimmen ihn einstimmig gewählt hat und die Steigbügelhalter und Steigebügelhalterinnen des BSW ihn ebenfalls mit 5 Stimmen einstimmig wählten, dann hat er zusätzlich vier Stimmen aus dem demokratischen Lager erhalten. Danach wurde mit 44 Ja-Stimmen ein bekannter rechtsextremer AfD-Vertreter als 1. Stellvertreter gewählt.
Letzte Woche hatten wir hier im NS-DOK den Leiter der Stiftung Gedenkstätten aus Sachsen-Anhalt, Dr. Kai Langer, zu Besuch, der über die Befürchtungen sprach, die mit der anstehenden möglichen Regierungsübernahme durch die AfD verbunden sein werden.
Diese Partei, die über die Jahre des NS-Terrors schwadroniert, das sei nur ein „Vogelschiss“ in der deutschen Geschichte ruft uns Hannah Arendt in Erinnerung, die über diese Zeit sagte: „Die Vergangenheit kann man nicht bewältigen, schon gar nicht diese“. Und sie formulierte den klaren Auftrag: „Man darf sich nicht ducken, man muss sich wehren“.
Diesen Auftrag nehmen wir ernst.
Unser Verein wurde vor fast 40 Jahren gegründet. Dem vorausgegangen war die Gründung der Initiative „Für ein Dokumentationszentrum EL-DE-Haus“ im Januar 1979. Seit unserer Gründung verfolgen wir zwei zentrale Anliegen: An die Verbrechen der Nazis und deren Opfer zu erinnern und alle rechtsextremen Bestrebungen wie Antisemitismus und Rassismus zu bekämpfen.
Das ist heute so notwendig wie möglicherweise noch nie zuvor in der Nachkriegsgeschichte.
Nachtrag: „Die AfD stellt mit Rausch erstmals in Deutschland einen Landtagspräsidenten. Bei der Abstimmung in Magdeburg erhielt er am Dienstag 48 Ja-Stimmen. 29 Abgeordnete stimmten gegen ihn. Zudem gab es fünf Enthaltungen. Zusammen kommen die Fraktionen von AfD und BSW auf 44 Abgeordnete. Rausch erhielt damit bei der geheimen Abstimmung vier Stimmen aus anderen Reihen.
SPD, Grüne und Linke hatten angekündigt, mit Nein zu stimmen. Die CDU-Fraktionsspitze empfahl ihren Abgeordneten, sich bei der Wahl zu enthalten. Wenn alle dieser Empfehlung gefolgt wären, hätte es 14 Enthaltungen geben müssen. CDU-Fraktionschef und Ministerpräsident Sven Schulze wollte sich zu den Aussagen Rauschs auf Anfrage nicht äußern. Als Vizepräsidenten wurden Rauschs AfD-Fraktionskollege Hans-Thomas Tillschneider und der CDU-Abgeordnete Carsten Borchert gewählt. Der dritte Vize-Posten bleibt vorerst unbesetzt, da der SPD-Kandidat Armin Willingmann durchfiel.“ (Tagesspiegel 7.10.2026)
